Ein Kind der Kapelle

Dresdner Neuste Nachrichten, August 1996
Solobaßposaunist Hans Hombsch
Zum 40-jährigen Dienstjubiläum.

Ein Kind der Kapelle

Mit berechtigtem Stolz blickt Posaunist Hans Hombsch auf vierzig Jahre Dienst in der Sächsischen Staatskapelle Dresden zurück. Am 1. August 1956 wurde er unter vielen Bewerbern vom damaligen Generalmusikdirektor Franz Konwitschny für ein Engagement für dieses traditionsreiche Orchester ausgewählt. Seither hat er selbst Kapellgeschichte mitgeschrieben.

Der 1935 in Munzig bei Meißen geborene Posaunist hatte zum Zeitpunkt seines Eintrittes in die Staatskapelle Dresden schon eine Laufbahn als Musiker hinter sich. Er stammte aus einem ländlichen Haushalt, und es lag eigentlich nahe, dass er den Hof übernehmen sollte. Aber schon mit sechs Jahren spielte er Akkordeon; die Trompete kam hinzu als er zehn war, denn die dörfliche Feuerwehrkapelle suchte Nachwuchs. Als Hans Hombsch schließlich mit vierzehn Jahren auf einen musikbegeisterten Lehrer stieß, der das Zusammenspiel förderte und sein großes Interesse an Jazzmusik weitergab, prägte sich der Berufswunsch „Musiker“ endgültig. In der Wilsdruffer „Stadtpfeife“ erhielt er seinen ersten Posaunenunterricht .Auch Cello- und Klavierunterricht gehörten zum Programm. Die Orchesterschule wurde damals von erstklassigen Musikern der Staatskapelle und Philharmonie betreut (unter anderen vom Soloposaunisten der Staatskapelle Alfons Orpky), weshalb sich Hans Hombsch noch heute als „Kind der Kapelle“ bezeichnet.

Zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn in der Polizeikapelle und in verschiedenen Tanzkapellen in Dresden (Dresdner Tanzsinfoniker, Theo Schumann Orchester usw.). In dieser Zeit begann er, eigene Kompositionen und Arrangements zu schreiben. Sein erstes Theaterengagement führte ihn 1954 zwei Jahre als 1. Soloposaunist an das Stadttheater Meißen. Daneben blieb er mit Leidenschaft der Unterhaltungsmusik in ihren vielfachen Facetten treu. Schon als Mitglied der Staatskapelle absolvierte Hans Hombsch auf Drängen seines Kollegen Prof. Alois Bambula sein Hochschulstudium. Im Laufe der vierzig Jahre, die er nun diesen Orchester angehört, war er an zahlreichen Ur- und Erstaufführungen von Werken der Opern- und Konzertliteratur beteiligt und nahm an den bedeutenden Gastspielreisen teil. Sein Wirken in diesem Orchester trug mit zu dessen internationalen Ansehen bei.

Sein regelmäßiges kompositorisches Schaffen trug Früchte in- und außerhalb der Staatskapelle. Gleichzeitig wird deutlich, dass es für Hans Hombsch nie ein Problem war, die sogenannte Ernste mit der Unterhaltungsmusik unter einen Hut zu bekommen. Der Mitbegründer der Semper-House-Band schuf Blasmusiken für die „Blasewitzer“ und Kammermusiken für Mitglieder der Staatskapelle. Sein Streichquartett kam in einen Kammerabend im Gobelinsaal zur Aufführung. Er schuf unter anderen ein Posaunenkonzert, das von Manfred Zeumer uraufgeführt wurde. Seine Musik für Bläser und Kontrabaß fand seine Uraufführung durch Prof. Heinz Herrmann. Viele seiner Arbeiten Wurden Vom Sender Dresden übertragen. Nicht nur als Musiker, Komponist und Arrangeur ist Hans Hombsch tätig. Neuerdings beschäftigt er sich auch mit der Geschichte seines Fachgebietes. 1995 legte er eine Chronik über Dresdner Posaunisten vor, die den Zeitraum ab 1839 umfaßt. Daß er das, was er weiß und kann, auch weitergibt, ist für Hans Hombsch selbstverständlich. Er ist Professor der Hochschule für Musik Dresden und hat zahlreiche Schüler auf den Weg gebracht .
A.H.

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